Die Biomechanik des Gehens: Welche Kräfte wirken?
Beim normalen Gehen durchläuft das Bein komplexe Phasen: vom Fersenauftritt über die Standphase bis zum Zehenabdruck. In der Einbeinstandphase muss das Standbein nicht nur das gesamte Körpergewicht tragen, sondern zusätzlich die Beschleunigungskräfte der Vorwärtsbewegung dämpfen. Auf Knie und Hüfte lastet dabei das Zwei- bis Dreifache des Körpergewichts. Bei unzureichender Dämpfung durch Schuhe oder Fußmuskeln schlagen diese Stoßwellen ungebremst in die Knorpelflächen ein.
Typische Ursachen für Schmerzen während des Gehens
Schmerzen, die sich mit zunehmender Gehstrecke verstärken (Belastungsschmerz), sind ein klassisches Merkmal der Arthrose im Knie- (Gonarthrose) oder Hüftgelenk (Koxarthrose). Mit dünner werdender Knorpelschicht steigt der Druck auf die empfindliche Knochengrundplatte unter dem Knorpel. Doch auch Meniskusrisse, Reizungen der Plantarfaszie an der Fußsohle oder muskuläre Ermüdung der Gesäßmuskeln können zu Schmerzen beim Gehen führen.
Praktische Hilfen: Entlastung im Alltag
Wer beim Gehen Schmerzen verspürt, sollte nicht in die totale Inaktivität verfallen. Kürzere, aber dafür häufigere Spaziergänge auf weichem Waldboden oder Wegen mit stoßdämpfendem Profil sind ratsam. Gehschuhe mit elastischer Zwischensohle, Nordic-Walking-Stöcke zur Lastverteilung auf den Oberkörper und gezielte Kräftigung der Waden und Oberschenkelmuskeln machen das Gehen oft wieder schmerzarm möglich.
„Gelenke leben von rhythmischer Be- und Entlastung. Bewegung ist keine Gefährdung, sondern die physiologische Voraussetzung für Knorpelernährung und Schmerzfreiheit.“
Wann zum Arzt?
Sollten die Beschwerden plötzlich ohne erkennbaren Anlass einschießen, nach einem Sturz auftreten, mit Rötung, Hitzegefühl, sichtbarer Schwellung oder Taubheitsgefühlen einhergehen, ist eine zeitnahe orthopädische oder rheumatologische Diagnostik unerlässlich.