Supplemente: Was sagt die Studienlage wirklich?
Nahrungsergänzungsmittel für Gelenke versprechen oft schnelle Linderung und 'Knorpelaufbau'. Wir ordnen die gängigsten Substanzen nach strengen wissenschaftlichen Kriterien sachlich ein. Keine Kaufempfehlungen, keine Werbung.
Kollagenhydrolysat
Ein enzymatisch aufgespaltenes tierisches Strukturprotein, das im Magen-Darm-Trakt in freie Aminosäuren und kurze Peptide zerlegt wird.
Um dem Organismus spezifische Aminosäurebausteine (Glycin, Prolin, Hydroxyprolin) für die Knorpelsynthese bereitzustellen.
Einige klinische Studien deuten auf moderate subjektive Schmerzlinderungen bei Kniearthrose hin. Belastbare strukturelle Beweise für echten Knorpelwiederaufbau fehlen jedoch.
Wird wie jedes Protein verdaut; kein gezielter zielgesteuerter Transport ins Gelenk garantiert.
Glucosaminsulfat
Ein natürlicher Bestandteil der körpereigenen Glykosaminoglykane im Knorpel und in der Gelenkflüssigkeit.
Als Grundbaustein für die Proteoglykan-Synthese zur Erhöhung der Knorpelviskosität.
Große unabhängige Metaanalysen (u. a. Cochrane) zeigen heterogene Ergebnisse: Bei leichten Formen oft kein signifikanter Unterschied zu Placebo; kleine Effekte bei kristallinem Glucosaminsulfat.
Kann bei Menschen mit Schalentierallergie oder Diabetes (Glukosestoffwechsel) Kontraindikationen aufweisen.
Chondroitinsulfat
Ein sulfatiertes Glykosaminoglykan, das maßgeblich für die Wasserbindung im Knorpel verantwortlich ist.
Häufig in fester Kombination mit Glucosamin zur Verlangsamung des Gelenkspaltverlusts.
Studien zeigen minimale symptomatische Effekte bei mittleren Kniearthrosen, jedoch keine verlässliche Regeneration zerstörten Knorpels.
Geringe orale Bioverfügbarkeit aufgrund der enormen Molekülgröße.
Hyaluronsäure (oral)
Hauptbestandteil der Gelenkschmiere (Synovia) und Knorpelmatrix, hier eingenommen in Kapselform.
Versprechen besserer 'Gelenkschmierung' von innen heraus.
Sehr begrenzte wissenschaftliche Nachweise bei oraler Zufuhr; wird im Magen-Darm-Trakt weitgehend zersetzt. Intraartikuläre Injektionen sind deutlich wirksamer erforscht.
Hohe Produktkosten bei ungesicherter therapeutischer Relevanz.
Vitamin D3
Ein fettlösliches Prohormon, das in der Haut unter Sonnenlichteinfluss gebildet wird.
Essentiell für die Mineralisierung des subchondralen Knochens und die neuromuskuläre Koordination.
Ein Ausgleich eines nachgewiesenen Mangels verbessert Muskelkraft und Knochengesundheit, heilt jedoch bestehende Arthrose nicht direkt.
Sollte am besten nach Blutspiegelbestimmung (25-OH-Vitamin-D) dosiert werden.
Omega-3 (EPA/DHA)
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren aus Fischöl oder Algenöl.
Zur Dämpfung systemischer und lokaler Entzündungskaskaden in der Synovialmembran.
Gute Evidenz für entzündungsmodulierende Wirkungen, insbesondere bei rheumatoider Arthritis zur Senkung der Schmerzmitteldosis.
Auf hohe Qualität und Schadstofffreiheit (Reinheit von Schwermetallen) achten.